Partnerprojekt Italien
PROGRAMM ZUR GEMEINSCHAFTSINITIATIVE INTERREG III A
ÖSTERREICH - ITALIEN 2000 - 2006

Schutz der Herpetofauna im Alpen-Adria-Gebiet
Amphibien und Reptilien sind zwei Wirbeltierklassen, die sehr sensibel auf Veränderungen der Umwelt reagieren. Das ist darauf zurückzuführen, dass diese Tiere eine ganz besondere Beziehung zum Substrat haben, sei es wegen der Fortpflanzung als auch aus verschiedenen anderen Gründen, die mit der Selektion des Habitats zusammenhängen. Ihr zahlenmäßiger Rückgang steht auf jeden Fall in engem Zusammenhang mit den Aktivitäten des Menschen, der das von den Tieren bewohnte Gebiet mitbeeinflusst. Die Probleme bezüglich des Schutzes dieser beiden Tierklassen stehen heute im Mittelpunkt einer Reihe von Aktionen, die die Region Friaul Julisch Venetien in grenzüberschreitender Zusammenarbeit mit Österreich startet.
Das italienische Projekt wird von der Europäischen Union, dem italienischen Staat und der Autonomen Region Friaul Julisch Venetien finanziert. Das Projekt, das eine Laufzeit von 3 Jahren hat und den Titel "Amphibien- und Reptilienschutz im Alpen-Adria-Gebiet" trägt, ist Teil des umfassenden EU-Programms "Interreg III A Italien-Österreich 2000-2006". Partner auf österreichischer Seite ist die Arge NATURSCHUTZ.
Der italienische Förderempfänger ist das Ufficio Studi Faunistici (Landesinstitut für Tierweltforschung), eine technisch-wissenschaftliche Einrichtung zur Erhaltung und Erforschung der Tierbestände und Lebensräume in Friaul Julisch Venetien. Zur Umsetzung des Projekts nimmt das Institut die wissenschaftliche Beratung des Museo Friulano di Storia Naturale (Friaulisches Museum für Naturgeschichte) in Udine in Anspruch.
Zum ersten Mal wird eine bedeutsame Aktion im Bereich des Kriechtierschutzes in Nordostitalien gestartet. Die außergewöhnliche Artenvielfalt dieses Lebensraumes ist auf die geographische Lage des Grenzgebietes zurückzuführen, das zwischen der italienischen Halbinsel, dem Balkan und Mitteleuropa angesiedelt ist. Zu den Initiativen des Projekts gehören die Festlegung von Prioritäten zur Erhaltung der Kriechtierfauna dieser Gebiete, die Verwendung von Amphibien als biologische Indikatoren für anthropogene Belastung; die Bestimmung der Reproduktionsstandorte und -strecken von verschiedenen Arten, die stark vom Straßenverkehr bedroht sind; weiterhin die Einrichtung oder Instandsetzung von einigen Fortpflanzungsbiotopen. Die Maßnahmen unterliegen ständigen Auswertungs- und Kontrollaktionen. Grenzüberschreitende Kontakte zwischen den Partnern werden gewährleistet. Öffentlichkeitsarbeit (Information und Sensibilisierung) erfolgt über Konferenzen, Diavorträge und mittels Werbekampagnen, die zum Schutz der Amphibien und Reptilien aufrufen.
Die Ergebnisse werden nach dreijähriger Projektdauer im Rahmen einer Tagung vorgestellt, die auch eine themenspezifische Ausstellung beinhaltet sowie die Veröffentlichung einer Publikation vorsieht, die einen Überblick über den gesamten Projektinhalt und -verlauf gibt.
Ergebnisse
Wissensstand über die derzeitige Herpetofauna
Nach einer kurzen historischen Einführung in die Kenntnisse über die jüngere Herpetofauna (Oligozän) in der Region Friaul Julisch Venetien stellt der Verfasser eine gut durchdachte Artenliste der Amphibien und Reptilien vor, die in der Region vorkommen, wobei die Systematik aktualisiert und der Status und die Hauptprobleme der Artenerhaltung diskutiert werden, so dass das gesamte Interreg-Projekt Österreich-Italien 2003-2006 auf eine solide und fundierte Wissensgrundlage gestellt wird. Die heutige Fauna ist dank zahlreicher Studien, die sich vor allem seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stark entwickelt haben, ziemlich gut bekannt. In dem untersuchten Gebiet wurden bisher rund fünfzig verschiedene, darunter einige allochthone herpetologische Arten in einer außergewöhnlich vielfältigen Fauna gesichtet. Dies ist auf den Zusammenfluss biogeographischer Bereiche im Gebiet der Region zurückzuführen, was auch die große Artenvielfalt der Herpetofauna, eine der umfangreichsten und vielfältigsten in Italien, in diesen Gegenden erklärt. Zu den bedeutendsten Arten gehören die verschiedenen östlichen Spezies, die in Italien nur auf dem Karst und in den julischen und karnischen Alpen und Voralpen verbreitet sind, einige bedeutende mitteleuropäische Exemplare, die in Italien nur in der Gegend um Tarvis vorkommen, und diverse italische Arten, die vor allem in den Tiefebenen verbreitet sind. Viele dieser Arten erreichen in diesen Gebieten die nördlichen, südlichen, östlichen oder westlichen Randgebiete ihrer jeweiligen Verbreitungsräume.
Entwicklung und Ergebnisse des Interreg-Projekts
Grünfrösche als biologische Indikatoren für den durch Menschen verursachten Druck in Nordostitalien
Im Rahmen der vom Interreg-Projekt Österreich-Italien 2003-2006 geplanten Aktionen wurden die Grünfrösche der Gattung Pelophylax studiert, um ihre Lage in der Region zu klären, um zu verstehen, ob es möglich ist sie als Indikatoren für die Umweltqualität zu verwenden und ob sie auf lokaler Ebene morphologisch unterschieden werden können. Zu diesem Zweck wurden 125 erwachsene Exemplare aus acht verschiedenen Gebieten in Friaul Julisch Venetien analysiert, wobei erst eine Reihe morphologischer Tests durchgeführt wurde und dann die Multilocus-Elektrophorese, um die Enzym-Gen-Systeme zu erforschen, die für Pelophylax lessonae, P. ridibundus und für ihren Hybrid P. kl. esculentus als diagnostisch gelten. Die Ergebnisse haben bestätigt, dass P. ridibundus am Rand des Triester Karsts lebt, während in der übrigen Region die Frösche der Gattung Pelophylax leben und das hybridgenetische System L-E (lessonae-esculentus) nutzen. Dieses System besteht aus variablen Gleichgewichten von P. lessonae und P. kl. esculentus, die in den verschiedenen Gebieten in unterschiedlichen Proportionen nebeneinander leben. In Lebensräumen mit niedrigem, durch den Menschen verursachten Druck überwiegt P. lessonae (in subalpinen Torfmooren kann diese Art zu 100 % auftreten), während in wenig naturbelassenen Gebieten der hybridgenetische Hybrid P. kl. esculentus üblicher ist, der auf den bestellten Feldern der friaulischen Tiefebene sehr hohe Anteile erreicht (95 %). Die untersuchten Exemplare sind übrigens auch morphologisch sehr gut voneinander zu unterscheiden, mit insgesamt sehr niedrigen Fehlerquoten bei der Bestimmung (1,6 %). Damit sind die Grundlagen für eine umfassende Verwendung der Grünfrösche als Bioindikatoren auch in Norditalien geschaffen.
Die Erhaltung der Herpetofauna
Nach einem Überblick über die Hauptgründe, weshalb Amphibien und Reptilien auf nationaler und regionaler Ebene immer seltener werden, konzentriert sich der Beitrag auf die Schutzbedürfnisse der Herpetofauna in Friaul Julisch Venetien, wobei die wichtigsten, auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene existierenden Schutzinstrumente auch im vorgegebenen Rahmen der FFH-Richtlinie 92/43 EWG geprüft werden. Eine Überprüfung der wichtigsten lokalen Initiativen zum Schutz dieser Tiere ergänzt den zusammenfassenden Überblick über die Erhaltungsmaßnahmen. Eines der größten Probleme der lokalen Amphibien- und Reptiliengemeinschaften hängt allerdings mit den Interferenzen zwischen Straßenverlauf und Wanderungen mehrerer Arten zu ihren Laichplätzen zusammen. Aus diesem Grund wurde in dem Dreijahreszeitraum der Projektarbeiten des Interreg-Projektes Österreich-Italien 2003-2006 ein besonderes Augenmerk auf das Gebietsmonitoring und die Erkennung der durch den Straßenverkehr stark gefährdeten Amphibienwanderwege gelegt. Durch all diese Arbeiten wurden 45 Laichwege mit einer hohen Sterblichkeitsrate aufgrund des Straßenverkehrs erkannt, auf denen insgesamt schätzungsweise mehrere zehntausend Tiere pro Jahr sterben. Jeder kritische Punkt wurde kartographiert und georeferenziert und diente dazu, eine erste Liste der Krisenpunkte im Alpen-Adria-Gebiet in Zusammenarbeit mit den grenzüberschreitenden Projektpartnern zu erstellen. Dieses erste Verzeichnis ist zwar nicht vollständig, aber propädeutisch für zukünftige strukturelle Maßnahmen zur Eindämmung dieses Problems.
Definition der Schutzprioritäten der Herpetofauna in Nordostitalien
Der biologische Schutz basierte lange auf empirischen Evaluierungsmethoden, da sie lange der Intuition von Freiwilligen und Liebhabern anvertraut wurden. Aber die Notwendigkeit, die wenigen für den Umweltschutz zur Verfügung stehenden Ressourcen zu verwalten, gebietet, über den rein emotionalen Ansatz hinauszugehen und zu versuchen, seriöse und wissenschaftlich haltbare Methoden zu nutzen. Durch die Anwendung mathematisch-statistischer Modelle, die schon auf die Erforschung der Schutzbedürfnisse der Herpetofauna in Italien angewendet wurden, konnten im Laufe des Interreg-Projektes Österreich-Italien 2003-2006 detailliert die Schutzprioritäten für die Herpetofauna in der Region Friaul Julisch Venetien unter Berücksichtigung von rund zwanzig verschiedenen biologischen Risikofaktoren studiert werden. Mit der einfachen numerisch-mathematischen Methode konnte zunächst eine lineare biologische Risikoskala erstellt werden, die dann sowohl mit einem univariaten als auch multivariaten statistischen Verfahren durch die Hauptkomponentenanalyse (PCA) untersucht wurde. Dies hat sich als wesentlich für das Verständnis der Hauptrisikofaktoren für die einzelnen analysierten Gruppen erwiesen. Diese Studie wird dazu dienen, unmissverständliche Leitlinien für die bestmögliche Verwaltung der zukünftigen, im Regionalgebiet zu treffenden Schutzmaßnamen zu erarbeiten.
Einrichtung und Wiederherstellung einiger Laichbiotope
Im Laufe des Interreg-Projekts wurde eine Reihe von Pilotinitiativen zur Wiederherstellung bzw. Einrichtung neuer Biotope für die Reproduktion von Amphibien umgesetzt, und zwar sowohl in einem stark verkarsteten, voralpinen Gebiet (Gemeinde Lusevera, Udine) als auch in einem Gebiet in der unteren friaulischen Tiefebene (Gemeinde Palazzolo dello Stella, Udine). Die Eingriffsmethoden und -techniken waren sehr unterschiedlich, es wurden acht neue kleine Becken auf unterschiedliche Art und Weise angelegt, wodurch es möglich war, den Erfolg der verschiedenen, in sehr unterschiedlichen ökologischen Situationen angewendeten Methoden zu überprüfen. Durch das Monitoring der ersten Amphibienwiederansiedlungsprozesse konnte die unmittelbare Nutzung der neuen Laichbiotope auch in stark verkarsteten voralpinen Gebieten, wo sie schon seit über zwanzig Jahren verschwunden waren, überprüft werden.
Öffentlichkeits- und Sensibilisierungsarbeit
Außerdem wurde der Information der Öffentlichkeit besondere Aufmerksamkeit gewidmet, wobei versucht wurde, dem Projekt eine breite Mediendeckung zu garantieren. Das wurde sowohl durch die Verteilung einer spezifischen dreisprachigen Projektbroschüre als auch durch mehrere Artikel in Tageszeitungen, Büchern, wissenschaftlichen Fachzeitschriften, bzw. durch Beiträge in Vorträgen und auf zu diesem Thema von anderen Einrichtungen und Institutionen organisierten Fachtagungen und (Provinz Pordenone, Städtisches Naturgeschichtliches Museum Triest, Parco Zoo Punta Verde in Lignano Sabbiadoro, Societas Herpetologica Italica, usw.) sowie über Maßnahmen im Bereich Umwelterziehung in einigen Schulen erreicht. Weitere Informationen über die Projekttätigkeiten erschienen auf mehreren nationalen und internationalen Websites, auch in Zusammenarbeit mit den grenzüberschreitenden Projektpartnern.






