Partnerprojekt Slowenien

Amphibien und Straßenverkehr in Slowenien

Auf dem Gebiet des aktiven Amphibienschutzes und der Erhaltung von Amphibien hat sich in Slowenien bisher erst sehr wenig getan. Die meisten Aktivitäten des letzten Jahrzehnts knüpften sich v.a. an die Problematik Amphibien und Straßen. So werden Amphibienschutzmaßnahmen z.B. im Rahmen des neuen Autobahnprogramms in Slowenien getroffen, das im Rahmen der Umweltverträglichkeitsberichte Vorschläge für verschiedene Schutzmaßnahmen umfasst.

Diese Maßnahmen reichen von einer entsprechenden Einrichtung von Wasserdurchlässen, um den Tieren die Überquerung zu ermöglichen, bis zur Einrichtung von Amphibientunneln und der Errichtung von Schutz- und Leitzäunen sowie gelegentlich der Anlage von Ersatzbiotopen. Die meisten Autobahnabschnitte, für die solche Schutzmaßnahmen geplant sind, wurden noch nicht errichtet, weshalb die Funktionalität der Maßnahmen noch nicht bewertet werden kann.

In Slowenien wurden wir mit diesem Problem das erste Mal in den Achtzigerjahren beim Bau des Autobahnabschnitts Ljubljana-Vodiva konfrontiert, als in der Nähe der Fischzucht Povodje bei Gameljne der erste Amphibientunnel sowie ein Ersatzbiotop errichtet wurden. Dieses System funktioniert heute leider nicht mehr, vor allem aufgrund mangelnder Wartung.

In den letzten Jahren wurden in Slowenien im Rahmen der Lösung der Problematik "Amphibien und Straßenverkehr" einige Projekte und Aktionen durchgeführt, vor allem seitens regierungsunabhängiger Organisationen. Zu erwähnen ist insbesondere das Projekt der Gesellschaft Radoživ aus Žalec am See Slivniško jezero bei Celje/Cilli, in dessen Rahmen 1995 unter Kofinanzierung der Gemeinde Šentjur und des Ministeriums für Umwelt und Raum im Zuge der Rekonstruierung der lokalen Straße Amphibientunnels errichtet wurden. Leider umfasste die Umsetzung dieses Projekts nicht auch die Errichtung ständiger Schutzzäune, weshalb heute Jahr für Jahr laufend das Problem besteht, dass temporäre Schutzzäune aus PVC-Folie aufgestellt werden müssen. Amphibientunnel ohne entsprechende Schutzzäune verhindern nämlich nicht, dass die Tiere auf den Straßen umkommen. Als Ergebnis wäre trotz der Errichtung von Tunneln wieder eine große Anzahl überfahrener Tiere zu verzeichnen.

Einmalige Aktionen, bei denen temporäre Schutzzäune aufgestellt und die Amphibien im Frühling über die Straße getragen wurden, wurden an mehreren Orten in Slowenien durchgeführt: an der Straße um den See Vanganelsko jezero (1997), auf der Straße Ilirska Bistrica-Podgrad - genauer gesagt unter dem Dorf Harije (Frühling 1997 und 1998), an der renovierten Hauptverkehrsstraße Veržej-Dokležovje im Bereich der Überquerung des Flusses Mur (1999), am Straßenabschnitt zwischen Podsreda und Trepče (2000) sowie am Straßenabschnitt Cankova-Kuzma am See Ledavsko jezero (2003).

Solche Aktionen sind wichtig, da sie eine breitere Öffentlichkeit auf diese Problematik aufmerksam machen. Gleichzeitig werden auf diese Art detailliertere Daten über die Wanderungswege der Amphibien gewonnen, was die Basis der Planung dauerhafter Schutzmaßnahmen ist.

Die Problematik Amphibien und Straßenverkehr ist ein sehr komplexes Gebiet, wobei entsprechende Lösungen nur unter Mitarbeit der zuständigen Stellen und Personen aus verschiedenen Bereichen möglich sind - d.h. unter Zusammenarbeit folgender Sektoren: Ministerium für Verkehr und Infrastruktur, Straßenbaudirektion der Republik Slowenien, Ministerium für Umwelt und Raum, Umweltschutzagentur, Naturschutzamt, Gemeinden, regierungsunabhängige Organisationen und Experten aus verschiedenen Tätigkeitsbereichen (Biologen, Planer, Baufachleute,... ).

Daher hat das Zentrum für die Kartografie der Fauna und Flora unter Mitarbeit der Gesellschaft zur Erforschung von Amphibien und Reptilien (Societas herpetologica slovenica), des Slowenischen Naturkundlichen Museums und der Slowenischen Straßenbauunternehmen GmbH Ende 1999 erstmals in Slowenien die Konferenz "Amphibien und Straßenverkehr" organisiert, als Plattform für einen Austausch von Ideen und Meinungen aus verschiedensten Blickwinkeln.

Einer der bei weitem wichtigsten Schritte war die Erstellung fachlicher Unterlagen, auf deren Basis die Konzeption und Gestaltung eines langfristigen "ganzheitlichen" Programms zur Lösung der Problematik des Amphibienschutzes und der Schutzmaßnahmen auf den Straßen der Republik Slowenien ermöglicht wird. Das war auch die Hauptrichtlinie des einjährigen Projekts "Amphibien und Straßenverkehr", das vom Zentrum für die Kartografie der Fauna und Flora im Jahre 2000 für das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur, Straßenbaudirektion der Republik Slowenien, durchgeführt wurde.

Dieses Projekt bestand aus zwei Teilen: Die Bewertung des Zustands der sogenannten "schwarzen Punkte" für Amphibien auf den nationalen Straßen der Republik Slowenien sowie die Erstellung eines Vorschlags zur Einbindung dieser Problematik in das System der regulären Wartungsarbeiten und Kontrolle des Zustands der nationalen Straßen im Rahmen der Tätigkeit der Straßenbaudirektion der Republik Slowenien. Dabei wurde ein Überblick des Amphibienschutzes und der Schutzmaßnahmen erstellt, wobei es auch ein ausgesprochen wichtiger Teil des Projekts war, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für dieses Problem zu wecken und den Amphibienschutz auf den Straßen zu propagieren. Dazu wurde auch eine Homepage im Internet eingerichtet.

Auf 6.463 km nationalen Straßen sammelte das Projekt Daten über 988 "schwarze Punkte" (478 km), an denen Amphibien überfahren werden. Ergebnis dieses Projekts war die Erstellung einer Datenbank über die sog. "schwarzen Punkte" an den nationalen Straßen, die unmittelbar in Verbindung mit der Datenbank der nationalen Straßen der Straßenbaudirektion der Republik Slowenien als Werkzeug für die Erstellung von Naturschutzmaßnahmen und die Einbindung dieser Problematik in den Plänen zur Wartung und Kontrolle des Zustands der nationalen Straßen anwendbar ist.

2003 stellt das einjährige Projekt "Amphibien und Verkehr im Alpen-Adria-Raum" die erste Jahresaktivität im Rahmen des mehrjährigen Projekts Interreg III A - Phare CBC Österreich - Slowenien "Amphibienschutz im Alpen-Adria-Raum" dar. Die Hauptaktivitäten sind v.a. das Sammeln von Daten und die Untersuchung der Amphibienwanderungen über die Straßen in den Gebieten der beiden Flüsse Mur und Drau, die Durchführung temporärer Amphibienschutzmaßnahmen am See Ledavsko Jezero sowie Öffentlichkeitsarbeit und die Schaffung eines entsprechenden Problembewusstseins in der Öffentlichkeit.

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist dabei ausgesprochen wichtig für die Koordination der Arbeitsmethoden sowie der Planung und Durchführung von Maßnahmen im Grenzgebiet. Das erfordert eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Amphibienexperten, der Vertreter verschiedener Sektoren der lokalen und regionalen Verwaltung, der Straßenplaner und -betreiber sowie der Teilnehmer an Projektaktivitäten. Die Ergebnisse der Medienkampagne werden außerdem dazu beitragen, dass der Öffentlichkeit dieses Problem stärker bewusst wird, was in der Folge auch den Druck und die Unterstützung der Öffentlichkeit für die Durchführung der Maßnahmen steigern wird.

Link zum slowenischen Spiegelprojekt

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